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Controller 1.03 - * Patch Notes

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Im Zeitalter des Internet vergisst man schnell, dass es auch eine analoge Zeit davor gab. Eine Zeit, in der man eine Veröffentlichung nicht mehr nachträglich via Download von Daten einfach reparieren oder verbessern konnte. So vorteilhaft diese Neuzeit auch für Konsolenhersteller sein mag - auch sie hat [irgendwie] ihre digitalen Grenzen. Doch was passiert dann? Früher, so wissen ältere Semester in nostalgischer Erinnerung, steckte man einfach eine Erweiterung in die Hardware - et voilà - Problem gelöst! Beispiele gibt es zu Genüge und der König aller Erweiterungsplattformen darf sich unstrittig Nintendo 64 nennen, dessen Controller-Slot häufiger geladen werden musste als ein Maschinengewehr im Dauerfeuer. Doch Spaß beiseite. Daran scheint sich Microsoft nun nicht mehr so ganz zu erinnern, nachdem sie tatsächlich eine - und jetzt haltet euch fest - Überarbeitung des Xbox One-Controllers in der Mache haben. Warum dieser Schritt so ironisch ist? Lest einfach genüßlich weiter.

Hier ist er: Der neue Xbox One Controller. Er sieht schon ziemlich anders aus (siehe 16).
 
Wer nun überragende, externe Speicherlösungen im Zeitalter der Cloud erwartet, liegt natürlich völlig daneben. Nein. Es handelt sich um einen technischen state-of-the-art, anders unmöglich implementierbaren 3.5-mm port (Nr. 16). Wozu das denn? Microsoft gibt die unrealistisch wirkende Antwort: "Used to connect compatible 3.5-mm audio devices." Revolutionär und überhaupt nicht mit einem Adapter zu lösen gewesen. Hätte man auch davor nicht dran denken können. Lasst uns zwei Jahre zurückdenken. Damals. Als die Xbox One vorgestellt wurde. Wie war das noch gleich? Achja, es wurde offiziellen Angaben zufolge Jahre (!) an diesem König aller Controller in einem eigenen Geheimlabor der Xbox-Hardwareabteilung gewerkelt. Mehr als 100 Mio. US-Dollar wurden für die Schöpfung und Entwicklung investiert. Unzählige Verbesserungen wurden genannt und zur Schau gestellt. Sogar ein YouTube-Video existierte von diesem so schwierigen Prozess mit all seinen Herausforderungen. Wir lernten wie toll das Ding ist, schier toller als die Konsole selbst. Und seien wir mal ehrlich: Wir finden das kleine Schwarze auch ganz toll. Denn Änderungen im vierstelligen Bereich wurden rund um das handliche Ding getätigt. Aber es brauchte dennoch offensichtlich Millionen von meckernden Nutzern, um zu erkennen, dass der standardmäßige Audioport fehlte. Dabei lassen sich die 1000+ Änderungen doch auf nur knapp zwei Dutzend essentielle Interaktionspunkte reduzieren. Aber, dass einer der bisherigen ein standardmäßiger Audioport hätte sein können, darauf konnte verständlicherweise all die Jahre keiner der vermutlich völlig überbezahlten Ingenieure mit diesem Budget kommen. Nein, es brauchte die Spieler, die zusammen dann doch [irgendwie] mehr Hirn hatten als ein gesamtes Redmonder Geheimlabor. Gratulation.

Die schwer verständliche Interaktionskarte des neuen Xbox One Controllers.
Hinweis: Aufgrund der Komplexität wurde lediglich die relevante Vorderseite ausgeführt.
 
Aber zitieren wir doch Microsoft mal weiter: "Only available on controllers released after June 2015". Boom. Tatsächlich, im Jahre 2015, rund zwei Jahrzehnte nach dem unvergleichlichen Vorbild Nintendos, müssen wir uns für eine 3,5 Milimeter winzige Ergänzung einen neuen Controller leisten, sofern wir ein passendes Gerät ohne Adapter verbinden wollen. "Megaton" (Kategorie: shut up and take my money, I need dis shit) oder *facepalm* (Kategorie: not sure if serious, how about NO) würde man im digital gespaltenen Zeitalter tippen. Der Controller ist toll, keine Frage, aber allein deswegen braucht man dann doch kein neues, 50 Euro teures Stück Zubehör, das sein abgelaufenes Pendant in den meisten Fällen wohl traurig in der Ecke verstauben lässt und anschließend auf eBay die Preise des völlig veralteten Stücks in den Keller treibt, das nur per 30 Euro teurem Adapter auf das selbige Niveau der Überarbeitung gebracht werden kann. Dabei, und jetzt kommt der wirklich lustige Teil, hat die Mutter Teresa aller Controller bereits Nummer 9 (siehe obiges Paint-Bild eines offensichtlich 10-jährigen Schulpraktikanten in Redmond). Ein Expansion Port, an den man sogar ein Headset anstöpseln kann. Aber eben nur komisch geformte Anschlüsse, ähnlich wie schon beim Vorgänger, der Xbox 360, welche die Ausgangsposition für den jahrelangen Reifeprozess der Controllerüberarbeitung darstellt. Aber sooo schlecht wie der Controller - allgemein bekannt - war, benötigte dies natürlich Unmengen an Gedankengängen zur weiteren Verbesserung. Man darf der Handy-Industrie ja wirklich schon sehr, sehr dankbar sein, dass nur noch einheitlich verwendete Aufladekabel verwendet werden dürfen, sonst gäbe es bestimmt auch heute noch ein weiteres Fiasko rund um die USB-Ports der Controller. Damit man ja bloß nicht irgendwelche Konkurrenzprodukte anschließen kann. Böse, böse. Schade, dass die Umweltministerien bisher nicht auch auf die Idee gekommen sind, Audiozugänge standardisieren zu lassen. Aber liebe Damen und Herren, wir reden hier von einem Audiostandard, der schon bei Sonys Walkman in den 90er-Jahren zum Einsatz kam. Irgendwann sollte auch mal die Redmonder Konkurrenz erkennen, dass dies doch ein ganz angesehener Audioträger ist. Und sieh an: 2015 haben sie es tatsächlich erkannt. Bravo. Diesen technischen Fortschritt stellte bereits Nintendo am GamePad zur Schau und nicht einmal bei deren technologischen Historie schockte es die Massen. Aber jetzt - jetzt soll es das Mega-Feature, der Neukaufgrund für einen weiteren Controller sein. Als Nintendo-Anhänger wäre man nun auf die Palme gegangen und hätte nach einem Ambassador-Programm, Gratis-Umtausch oder Adapter-Zusendung als Entschädigung gerufen. Aber bei solch einer nichtig erscheinenden Neuerung rührt bei Microsofts Elitegarde keiner auch nur den Finger. Da habt ihr es Schwarz auf Weiß: Die japanische Videospielindustrie hatte es ganz offensichtlich doch ganz gut drauf. Die bisherigen Audioports der Konkurrenz beweisen dies eindeutig!

PS: Ab sofort heißt es scheinbar wie bei Software: Nur noch ab Version 1.03 zuschlagen.
 Autor:
Alexander Reeb
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